Was wir von Raumschiff Enterprise lernen können
Entscheidungen zu treffen.
Angesichts der lebensbedrohlichen Herausforderung auf dem Schirm fragte Picard jeden seiner Crew nach seiner Empfehlung. Die Ratschläge erfolgten aufgrund von Persönlichkeit, Position und Erfahrung der einzelnen Crewmitglieder. Mit allen Äußerungen im Kopf ging Picard in sein Büro, “klärte”, kehrte zurück und gab seine Entscheidung bekannt. Und das wurde dann auch getan. “Energie.”
In der Realität sieht es so aus, dass Entscheidungen der Chefs ständig angezweifelt, interpretiert und angemoppert werden. Und das Schlimmste: die Crewmitglieder, die das Gefühl haben, ihr Rat sei nicht eingeflossen, sind stinkbeleidigt und leben das auch aus.
Entscheidungen können falsch sein. Aber sie müssen getroffen werden. Dieses ständige Hin und Her ist nervtötend, ganz zu schweigen von der peinlichen Entäußerung persönlicher Empfindlichkeiten. Und je besser die Crewmitglieder ihre Einwände verpacken und je wertvoller die Ideen sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Entscheidung des Chefs in die gewünschte Richtung geht (außer er heißt gerade Locutus oder will Unschuldige töten – dann wirken auch moralische, außerchefliche Kriterien).



Prinzipiell kann ich das vollkommen unterschreiben, insbesondere im nachhinein per Flurfunk verteilte Kritiken ohne den Verursacher direkt anzusprechen.
Wobei ich mich frage, ob das grundlegende Problem mehr zu suchen ist bei den unzufrieden und ständig nörgelnden MAs oder Chefs, die kritikunfähig sind und deren Entscheidungen auch mit viel Nachdenken nicht nachvolziehbar sind.
renke
Februar 7, 2008 um 9:00
Zugegeben, ich gehe von einem einigermaßen idealen Chef aus, der aus den Ratschlägen und Anmerkungen seiner Crew die richtigen Schlüsse ziehen kann (in die die Stärke der Argumente, die intellektuelle Leistungsfähigkeit, die Verlässlichkeit, das Karrierebewusstsein etc. der einzelnen Crewmitglieder einfließen). Aber wie gesagt, die Entscheidungen können falsch sein. Um so schneller sollten sie umgesetzt werden, um eine neue Situation zu schaffen, in der eine neue Entscheidung getroffen werden kann und muss. Die verzögerte Durchsetzung einer schlechten Idee macht nichts besser. Stichwörter Ende und Schrecken.
Jazz Inaria
Februar 7, 2008 um 9:33
Sie wählen als Ideal den Altruisten Picard. Bleiben wir mal in der Serie. Dann lernen wir doch von James T. Kirk, dass der Chef sagt, wo vorne ist. Immer. Ob es nun um interplanetarische Verhandlungen geht oder die Reparaturarbeiten im Maschinenraum “Ich brauche 4 Stunden für die Reparatur, Captain.” “Ich gebe Dir eine, Scotty!” “OK, Captain.” Und Scotty hat es geschafft. Immer. Merke: Es ist nicht die Utopie, die uns etwas lehrt, sondern immer nur der Mensch, dessen soziales Empfinden eben ausgeprägt oder verkümmert ist. Doch in der Tat scheint es so zu sein, dass jede Branche einen eigenen Anziehungsgrad auf bestimmte Sozialtypen hat. Aber das ist eine andere Galaxis, die kein Mensch zuvor gesehen hat.
vera chimscholli
Februar 7, 2008 um 9:52
Jazz Inaria:
Das folgt der Philosophie “Veränderung an sich ist etwas positives” – generell bevorzuge ich dies auch, nichts ist schlimmer als statische, langweilige, nicht ändernde, eingefrorene Dauersituationen. Allerdings sollten dann die Entscheider* auch tatsächlich zu diesem Arbeitstypus passen und selbst diese Veränderungen forcieren und mittragen – was leider häufig schief geht und die Verantwortung bei Misslingen doch plötzlich wieder eine Etage tiefer liegt…
vera chimscholli:
Den Sprung von Scottys falschen Projektzeiteinschätzungen zu Sozialempfinden der Menschen habe ich nicht verstanden
renke
Februar 7, 2008 um 11:10