Jazz Inaria

Abgelauscht: international-chinesisches Diplomatentreffen

Veröffentlicht in beobachten, lauschen, notieren, politisieren, satirisieren by Jazz Inaria am März 25th, 2008

Ich verwandelte mich in ein Mäuschen und belauschte internationale und chinesische Diplomaten, die sich über die Ereignisse in Tibet austauschten. Die Atmosphäre war geprägt von Freundlichkeit und dem unbedingten Willen, auf die Argumente der jeweils anderen einzugehen. Hier mein Gedächtnisprotokoll:

Internationale Staatengemeinschaft: Sag mal, China, das mit Tibet … übertreibst Du da nicht etwas? Ich meine, den Dalai Lama als ‘Teufel’ zu bezeichnen. Mensch, Du weißt doch selbst, das ist ein netter Kerl. Und der will doch nur ein bisschen Ruhe in die Sache bringen. Überhaupt Tibet. Was willst Du denn da? Die haben doch kaum Sauerstoff. Und so richtig günstig strategisch ist das Gebiet auch nicht gelegen. Du hast in Deinem chinesischen Kernland wirklich genug Auslauf. Musst doch nicht gleich alles niederballern, nur weil ein paar Menschen eine andere Meinung haben. Unsere Journalisten würden Euch schon nicht in die Pfanne hauen. Und man muss doch den Begriff ‘Menschenrechte’ nicht so überstrapazieren. Schaut mal hier, wir haben uns doch international auf eine Definition geeinigt. Ihr müsst ja nicht alles auf einmal umsetzen, aber so ein bisschen wäre schon nett. Wir wollen doch Freunde bleiben. Dann machen die gemeinsamen sommerlichen Leibesertüchtigungen im Licht der olympischen Fackel doch viel mehr Spaß. Wir können ja schon mal mit Aufwärmen beginnen.     

China: Tolle Idee. Wir machen alles, was ihr vorschlagt. Außerdem geben wir komplette Reisefreiheit und geben allen Reisewilligen noch ein erkleckliches Handgeld mit. Wie viele Besucher hat Schloss Neuschwanstein ungefähr im Jahr? Knapp eine Million. Kein Problem, das verzehnfachen wir. Außerdem starten wir eine Bildungsoffensive. Wie hoch ist im Schnitt der Anteil von Hochbegabten in einem Land? Ein Prozent, oder? Hm. Von den 14 Millionen bei uns haben wir erst zwei Millionen identifiziert. Die anderen finden wir auch noch. Und wisst Ihr, was das Beste ist. Dann gehört auch die Industriespionage der Vergangenheit an, dann können wir alles selbst entwickeln. Unsere Außenhandelsbilanz ist ja noch etwas bescheiden. Aber eigentlich können wir ja alles selbst herstellen. Wie sieht’s aus, seid Ihr mit unseren Vorschlägen einverstanden?

Internationale Statengemeinschaft: Aaaahhhhhhhhh!!!! (verlässt fluchtartig den Raum) 

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Auf meinem Nachttisch: Leo Perutz

Veröffentlicht in beobachten, empfehlen, lesen, philosophieren, politisieren by Jazz Inaria am Februar 12th, 2008

Gerade lese ich zum vermehrten Male und mit stetig wachsender Begeisterung “Nachts unter der steinernen Brücke”von Leo Perutz. Dabei leuchtete mir die altbekannte, aber manchmal vergessene jiddische Weisheit ins Auge, die ganz im Allgemeinen erklärt, weshalb die einen oder anderen Entscheidungsträger vehement die falschen Entscheidungen zur realisierten Grablegung tragen:

 ”Ein Tauber hat gehört, wie ein Stummer erzählt hat, daß ein Blinder gesehen hat, wie der Lahme auf dem Seil tanzte.” 

Na, kennen wir das nicht aus diversen Talksendungen? 

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Keiner schert sich mehr

Veröffentlicht in beobachten, kümmern, lästern by Jazz Inaria am Februar 5th, 2008

Die Nazis schänden jüdische Friedhöfe, die Regierung fleddert Aussichten der künftigen Rentner, die Deutschen werden immer dicker, die Raucher furzen die Lobbyisten an, alle Schuld an der Rezession wird auf die Ausländer abgewälzt, die Presse verbreitet Lügen, der gesunde Menschenverstand liegt im Wachkoma, die Bürokratie wuchert, die Wahlversprechen laufen ins Leere und keiner schert sich mehr. Wir brauchen alle ein Rasiermesser.