Jazz Inaria

Es liegt ‘was in der Luft

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Berlin stottert sich einen ab

mit einem Kommentar

Unsere Hauptstadt macht mit einer neuen Kampagne auf sich aufmerksam. Nachdem es vor einiger Zeit noch inoffiziell und sehr wirksam hieß “Arm, aber sexy”, spricht man jetzt vor allem eine Minderheit an, die die Dinge stakkatomäßig nach vorne treibt und sprachlich auf den Silben tanzt: die Stotterer.  

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PS: Die Italiener fragen sich übrigens, wann das siebte Berlin auf der Bildfläche erscheint. 

Geschrieben von Jazz Inaria

März 12, 2008 um 11:56 vormittags

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… und so sieht der Dank aus

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Vor langer Zeit habe ich mir einmal (einmal!) so günstige Visitenkarten bei Vistaprint bestellt. Das war ein Fehler. Seitdem  hat mich das Unternehmen fest in seine Arme geschlossen und schickt mir gefühlte dreimal am Tag Angebote für gefühlte 1.000 verschiedene Produkte aus 1.000 verschiedenen Anlässen. Da ich noch unentschieden war, ob ich nicht doch noch mal Visitenkarten von denen brauche, konnte ich mich nie überwinden, die Dinger auf den Spam-Filter zu setzen. Ich wollte mich aber auch nicht lang genug damit beschäftigen, um den Abmelde-Link zu suchen. Heute, heute habe ich das geändert. Ich habe auf diesen Link geklickt. Der Dank des Unternehmens war mir sicher. Nun bin ich gespannt, ob ich wirklich den Fängen von Vistaprint entkommen bin. Merke: Drum binde sich ewig, wer nur einmal sparen will.

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Geschrieben von Jazz Inaria

Februar 19, 2008 um 9:04 vormittags

Veröffentlicht in danken, nerven, werben

Auf meinem Nachttisch: Encyclopédie

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Da blättert man durch ein Lexikon alter, sehr alter Schule, genauer gesagt, eigentlich das erste Lexikon überhaupt, noch von echten Profis geschrieben, und da stößt man auf eine Definition, die noch heute wunderbar auf den Berufsstand der Kommunikationsfachleuchten zutrifft:

 Affektiertheit in der Sprache & in der Unterhaltung ist ein Laster, das bei den Leuten, die man Schönredner nennt, weit verbreitet ist. Es besteht darin, mit gesuchten & zuweilen lächerlich gewählten Worten triviale oder alltägliche Dinge zu sagen […]“ (d’Alembert zum Stichwort Affektiertheit in Die Welt der Enzyclopédie)  

Geschrieben von Jazz Inaria

Februar 14, 2008 um 6:31 vormittags

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So sind die Männer

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Geschrieben von Jazz Inaria

Februar 6, 2008 um 5:56 nachmittags

Veröffentlicht in trinken, verstehen, werben

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Auf meinem Nachttisch: Erich Kästner

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Manche Dinge ändern sich nie:

“Sie könnten sich mal ein kleines, hübsches Preisausschreiben ausdenken”, meinte der Direktor. “Ihr Prospekt für Detailhändler hat uns ganz gut gefallen.” Fabian verbeugte sich leicht.“Wir brauchen etwas Neues”, fuhr der Direktor fort. “Ein Preisausschreiben oder was Ähnliches. Es darf aber nichts kosten, verstehen sie? Der Aufsichtsrat hat schon neulich geäußert, er müsse den Reklame-Etat möglicherweise um die Hälfte reduzieren. Was das für Sie bedeuten würde, können Sie sich denken. Ja? Also, junger Freund, an die Arbeit! Bringen Sie mir bald was Neues. Ich wiederhole aber: So billig wie möglich. ‘n Morgen.”Fabian ging.(Kreativ?)Direktor Breitkopf zu Fabian in Erich Kästner: Fabian von 1931.

Geschrieben von Jazz Inaria

Februar 6, 2008 um 2:56 nachmittags

Veröffentlicht in lesen, schreiben, werben

Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?

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Na, wunderbar. Da brütet man gerade an einer Kaffee-und-Kuchen-Broschüre, findet auf Anhieb eine ausreichend pathetische Überschrift, die auch die Positionierung trifft, prüft mehr aus Langeweile, ob es die schon mal im überdimensionalem Maßstab gab, stellt fest, dass eine große Kaffeemarke genau diese Formulierung als Claim gewählt hat, erschrickt dann über die furchtbare Produktbezeichnung und freut sich hernach, dass diese Kampagne bisher an einem vorübergegangen ist.

Geschrieben von Jazz Inaria

Januar 30, 2008 um 8:56 nachmittags

Veröffentlicht in schreiben, texten, werben

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Ungezügelte Führungskraft

mit 2 Kommentaren

Nach DEM Wochenende waren natürlich alle bei der Montagsrunde ganz besonders gut gelaunt. Ich glaube, sogar unsere blasseste Kraft schmückte ein roter Schimmer das Gesicht. Und unser Chef lehnte sich entspannt zurück, ein Knopf offen mehr als üblich, es fehlte nur noch, dass er sich Al-Bundy-like die Hand in den Hose schob. Freudestrahlend erzählte er von seinem Wochenende. Er habe ein Seminar besucht.

Na gut, dachten wir, das hat er ja öfter, hilft nur nix. Bei Zentaurus. Immerhin ein netter Name, dachten die humanistisch gebildeteren von uns. Aber für Führungsseminare? Dann kam die Auflösung.

Zentaurus ist ein Seminarzentrum für pferdegestütztes Persönlichkeits- und Führungskräftetraining. Aber hühhott, dachten wir da alle unisono. Die Pferde seien sozusagen seine Co-Trainer gewesen, durch deren Reaktion auf seine Handlung die Trainerin Aufschlüsse über seinen Führungsstil habe gewinnen können. Am besten habe ihm die Übung “Distanz und Nähe” gefallen. Hier lautete der Kern der Aufgabe, wie nah man dem Pferd kommen müsse, um eine Beziehung herzustellen, und wie fern man sein müsse, um es führen zu können Und genau das würde er jetzt auch mit uns machen.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die nächsten Wochen wieder auf unserem Pferderücken ausgetragen werden.

Geschrieben von Ulli Kiebitz

April 16, 2007 um 12:01 vormittags

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Wir haben einen Scheißjob

mit 12 Kommentaren

Das Leben ist doch gar nicht so übel. Immer wenn man meint, es könnte nicht schlimmer kommen, erfährt man, dass es anderen noch schlechter geht. Heute hat die Produktion den Schwarzen Peter gezogen. Und ich glaube fast, der bleibt an den Mitwirkenden kleben. Aber von Anfang an …

Wie alle Chefs der Welt ist auch der unsere auf die wichtigten Tageszeitungen abonniert. Die Welt hat gestern einen Artikel veröffentlicht, auf den er sofort angesprungen ist. Ein, zwei, drei Studierende haben eine Studie durchgeführt:

In einem Krankenhaus haben sie das Toilettenpapier mit Hygienehinweisen bedruckt – vulgo “Wasch Dir die Hände, nachdem Du pissen und kacken warst”. Das half. Die Hygiene in entsprechenden Krankenhäusern stieg.

Ja, da könnte man doch, dachte der Chef. Und jetzt muss die Produktion. Sich Gedanken machen. Bei welcher Premiummarke im Toilettenpapierbereich könnten wir uns jetzt die Agenturtoiletten-Toilettenpapierrollen bedrucken lassen. Mit Motivationssprüchen. Damit die Arbeit leichter von der Hand ginge.

Wenn ich so recht darüber nachdenke, trifft es nicht nur die Produktion schlimm. Der Text darf sich die Sprüche ausdenken – “Immer saubere Arbeit abliefern, das macht den Kunden glücklich”. Und die Grafik darf Klopapier gestalten. Das ist ja gleich was für die Mappe.

Geschrieben von Ulli Kiebitz

April 4, 2007 um 8:17 vormittags

Veröffentlicht in austreten, designen, motivieren, texten, werben

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Kündigung aus der Konserve

mit 5 Kommentaren

Mensch, manchmal bietet sich doch ein Fluchtweg. Auf Knopfdruck. Auf dieser Internet-Seite gibt es vorgefertigte Kündigungen – und das schon seit Jahren. Natürlich Job, aber daneben auch Telefon, Wohnung und Versicherung. Einfach nur die wichtigsten Daten eintragen, und den Rest regelt das Web. Wie praktisch, um kurzfristigen Frust ebenso temporär abzubauen. Ach ja, ich kenne drei, die diese Dienstleistung erfolgreich am letzten Freitag genutzt haben. Sie brauchen jetzt nur noch ihre Zeit abzusitzen.

Ulli Kiebitz
Hauptstraße 12
10000 Hauptstadt Telefax:
EMail : Ulli.Kiebitz@haumichraus.de

10000 Hauptstadt, den 2.4.2007

Werbeagentur
Personalabteilung
Arbeitgeberstraße 12
10001 Hauptstadtzentrum

Kündigung meines Arbeitsvertrages
Personalnummer: 666

Guten Tag!

hiermit kündige ich meinen oben genannten Vertrag zum 31.3.2007
oder zum nächstmöglichen Zeitpunkt.

Bitte erstellen Sie mir ein qualifiziertes Arbeitszeugnis, das Sie
mir mit meinen restlichen Arbeitsunterlagen aushändigen. Wegen meines
Resturlaubes melde ich mich in den nächsten Tagen bei Ihnen

Bestätigen Sie mir bitte kurz schriftlich den Kündigungstermin. Gerne auch
per Fax oder eMail. Meine Adresse entnehmen Sie bitte dem Briefkopf.

Viele Grüße

- Ulli Kiebitz -

Geschrieben von Ulli Kiebitz

April 2, 2007 um 2:30 nachmittags

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Aufs tote Pferd gesetzt

mit 6 Kommentaren

Gerade eben kam Cheffe rein. Wir hätten endlich den Fuß in der Tür bei unserem nächsten Großkunden, wir hätten ihn eigentlich sicher. Ja, dachten wir, klasse Nachricht. Wir müssten nur noch … hier sank unsere Laune. … nur noch bis Montag drei Kampagnenideen entwickeln, mit allem, was dazu gehört. Und nur, wenn wir das alles brillant schafften, die anderen Sachen für Montag dürften nicht darunter leiden, dann hätten wir den Kunden, wenn er dann noch den Vertrag unterschriebe.

Jetzt frage ich mich 1., wie sicher wir diesen Kunden wirklich haben. Und 2. ist das sowieso nicht schaffbar. Also warum sollte ich mir dafür das Wochenende verderben. Gerade weil mir noch die folgende Geschichte einfiel:
Eine Weisheit der Dakota-Indianer sagt: “Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab.”

Doch im Berufsleben versuchen wir oft anderer Strategien, nach denen wir in dieser Situation handeln:

Wir besorgen eine stärkere Peitsche.
Wir wechseln die Reiter.
Wir sagen:”So haben wir das Pferd doch immer geritten.”
Wir gründen einen Arbeitskreis, um das Pferd zu analysieren.
Wir besuchen andere Orte, um zu sehen, wie man dort tote Pferde reitet.
Wir erhöhen die Qualitätsstandards für den Beritt toter Pferde.
Wir bilden eine Task Force, um das tote Pferd wiederzubeleben.
Wir schieben eine Trainingseinheit ein, um besser reiten zu lernen.
Wir stellen Vergleiche unterschiedlich toter Pferde an.
Wir ändern die Kriterien, die besagen, ob ein Pferd tot ist.
Wir kaufen Leute von außerhalb ein, um das tote Pferd zu reiten.
Wir schirren mehrere tote Pferde zusammen, damit sie schneller werden.
Wir erklären: “Kein Pferd kann so tot sein, dass man es nicht noch schlagen könnte.”
Wir machen zusätzliche Mittel locker, um die Leistung des Pferdes zu erhöhen.
Wir machen eine Studie, um zu sehen, ob es billigere Berater gibt.
Wir kaufen etwas zu, das tote Pferde schneller laufen lässt.
Wir erklären, dass unser Pferd “besser, schneller und billiger” tot ist.
Wir bilden einen Qualitätszirkel, um eine Verwendung für tote Pferde zu finden.
Wir überarbeiten die Leistungsbedingungen für tote Pferde.
Wir richten eine unabhängige Kostenstelle für tote Pferde ein.

Bitte gebt mir den Gnadenschuss!

Geschrieben von Ulli Kiebitz

März 23, 2007 um 2:20 nachmittags

Veröffentlicht in terminieren, werben

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