Archiv für die Kategorie ‘zitieren’
Auf meinem Nachttisch: Encyclopédie
Da blättert man durch ein Lexikon alter, sehr alter Schule, genauer gesagt, eigentlich das erste Lexikon überhaupt, noch von echten Profis geschrieben, und da stößt man auf eine Definition, die noch heute wunderbar auf den Berufsstand der Kommunikationsfachleuchten zutrifft:
Affektiertheit in der Sprache & in der Unterhaltung ist ein Laster, das bei den Leuten, die man Schönredner nennt, weit verbreitet ist. Es besteht darin, mit gesuchten & zuweilen lächerlich gewählten Worten triviale oder alltägliche Dinge zu sagen […]“ (d’Alembert zum Stichwort Affektiertheit in Die Welt der Enzyclopédie)
Auf die freudsche Bahn gelenkt
Noch eine kurze Nachricht von unterwegs. Der Lokführer hat entweder einen Clown gefrühstückt oder deutlich zu Tage tretende Antipathien. Dies ist, was er angesichts des Doms durch die Lautsprecher von sich gab: „In Köln haben Sie Arschloch nach Gummersbach, Solingen …“
Auf meinem Nachttisch: Iwan Turgenjew
Stellen Sie sich einen Mann von hünenhaftem Wuchs vor. Auf einem massigen Rumpf sass, ein wenig schief, ohne jedes Anzeichen von Hals, ein gewaltiges Haupt; ein ganzer Schober wirrer, gelbgrauer Haare türmte sich auf ihm und begann schon fast bei den zerzausten Augenbrauen. Aus der breiten Fläche des grau-bläulichen, gleichsam gehämmerten Gesichts ragte eine kräftige Nase wie ein Zapfen hervor, hochmütig blickten beiderseits winzige blaue Augen, und unter der Nase öffnete sich ein ebenso kleiner, aber schiefer, rissiger Mund, der von gleicher Farbe wie das Gesicht war.
Iwan Turgenjew: Ein König Lear der Steppe


