Jazz Inaria

Es liegt ‚was in der Luft

Auf Nagel komm raus

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Endlich ist wieder die normale Ruhe vor den Anstürmen des Kundenwahnsinns eingekehrt. Der letzte Termin für Einsendungen zum diesjährigen ADC ist verstrichen.

Die Sonderkommandos „Superidee“ haben sich in ihre eigenen Winde verstreut und Kontakter lecken die wundtelefonierten Finger. Die heiße Zeit des Jahres ist vorüber. Bis zum nächsten Mal. Und auch dann wird alles wieder genau so ablaufen, wie in den Jahren davor.

Gut sichtbar am Mast wird die Silbermünze angeschlagen; Trophäe für das Team, das es schafft. Das eine überragende Idee produziert. Die alle anderen schlägt. Der Jury preisverdächtig erscheint.
»Macht Euch frei. Seid völlig locker. Denkt in alle Richtungen. Aber geil muss es sein«, so die Anfeuerungsrufe des Lieblings-CDs, der schon seit Jahren danach lechzt, endlich aufs Podium gerufen zu werden.

Nachdem die ersten Wochen verstrichen sind, wird man feststellen, dass für die Lieblings-Kunden bereits alles gedacht wurde. Da ist die Luft raus. Also größer denken. Die geile Idee produzieren. Egal für wen.

Von der Aussicht getrieben, seine Kontakter ausnahmsweise Mal mit einer Idee losschicken zu können, zu der die Bedenkenträger nichts, aber auch gar nichts sagen dürfen, sondern die pure Idee an den passenden Kunden verkaufen müssen, hängen sich die Teams noch mehr rein. Das setzt Endorphine frei.

Kein Hunger. Keine Schmerzen. Körperfunktionen werden aufs Minimum reduziert. Alle Energie für den Blumenkohlklumpen unter der Schädeldecke.

Und immer wieder der Lieblings-CD, der gleich einem Vater in spe Fingernägel kauend die Kreißsaaltür öffnet und mit Fistelstimmchen fragt »Na, habt Ihr was?«

Irgendwann hat man dann. Die Idee ist da. Der Lieblings-CD hat sie nicht verstanden, doch das Endorphin macht dieses Waterloo erträglich. Und da die Zeit rennt, werden die Berater ausgesandt, die Frucht aus Entbehrung und Frust einem Unternehmer an die Backe zu reden, der schließlich einwilligt – nur um endlich Ruhe vor den Wadenbeißern aus der Agentur zu haben –, sein Logo und seinen Namen unter das Machwerk zu setzen.

Dann wird es eng. Der Einsendeschluss naht. Ein Printmedium muss gefunden werden, in dem der Beitrag für Werbers Weihrauchkelch noch rechtzeitig veröffentlicht wird. Die Bäckerblume oder eine Schülerzeitung werden es sein. Egal, Hauptsache einmal erschienen.

Auf der Anmeldung zum Wettbewerb werden die Namen der geistigen Mütter und Väter fehlen. Der Lieblings-CD und seine Buhlschaft stehen drauf. Hauptsache zur Party, zum wilden Wettonanieren.

Als Learning wird die GL wieder einmal erwägen, einen weiteren CD einzustellen. Einen, der im ADC-Gremium sitzt und neben den Regeln auch die Richtigen kennt.
Doch das nächste Jahr ist noch weit.

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Written by Kai Mauer

März 6, 2007 um 5:01 pm

Veröffentlicht in gewinnen, terminieren, werben

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4 Antworten

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  1. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

    „All ye mast-headers have before now heard me give orders about a white whale. Look ye! d’ye see this Spanish ounce of gold?“- holding up a broad bright coin to the sun- „it is a sixteen dollar piece, men. D’ye see it? Mr. Starbuck, hand me yon top-maul.“ Chapter 36

    Archie Var

    März 15, 2007 at 2:20 pm

  2. Nur zur Information: Einsendeschluß für den ADC ist Mitte/Ende Dezember. Wenn Du schon aus Frust über die ach so böse Werbebranche herziehen musst, dann mach es wenigstens einigermaßen authentisch. (Und sei bitte etwas unterhaltsamer dabei.)

    Alles Gute,
    Günther

    Günther

    Mai 2, 2007 at 9:35 am

  3. @ Günther

    Mann oh Mann, Sie teilen ja richtig aus. Ich mach‘ mal mit, ja?!
    Nur zur Ergänzung Ihrer Information: Einsendeschluss für den ADC 2007 war der 08. Januar diesen Jahres. Aber ist das insgesamt für einen Beitrag über das fiktive Geschehen in Agenturen während der Vor-ADC-Zeit von Belang? Wohl eher nicht.

    Darüber hinaus habe ich aus dem Artikel weniger Frust, als eine recht gute Beobachtungsgabe heraus gelesen; mir jedenfalls kam einiges sehr bekannt vor und tat somit Ihrem Postulat nach mehr Authentizität durchaus Genüge.

    Das führt zur nächsten Frage: Wieso wollen Sie einem Blogger vorschreiben, wie hoch der Unterhaltungswert seiner Posts ist. Jeder mag schreiben, wie er/sie möchte. Wem’s gefällt – prima, wem’s nicht gefällt – auch gut. Doch der Oberlehrerton ist absolut fehl am Platze.
    Bis dann dann

    vera chimscholli

    Mai 2, 2007 at 4:30 pm

  4. @vera chimscholli … zum letzten Absatz Beifall klatsche.

    leonope

    Mai 3, 2007 at 12:44 pm


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