Jazz Inaria

Es liegt ‚was in der Luft

Archive for the ‘beraten’ Category

Was wir von Raumschiff Enterprise lernen können

with 4 comments

Entscheidungen zu treffen.

Angesichts der lebensbedrohlichen Herausforderung auf dem Schirm fragte Picard jeden seiner Crew nach seiner Empfehlung. Die Ratschläge erfolgten aufgrund von Persönlichkeit, Position und Erfahrung der einzelnen Crewmitglieder. Mit allen Äußerungen im Kopf ging Picard in sein Büro, „klärte“, kehrte zurück und gab seine Entscheidung bekannt. Und das wurde dann auch getan. „Energie.“

In der Realität sieht es so aus, dass Entscheidungen der Chefs ständig angezweifelt, interpretiert und angemoppert werden. Und das Schlimmste: die Crewmitglieder, die das Gefühl haben, ihr Rat sei nicht eingeflossen, sind stinkbeleidigt und leben das auch aus.

Entscheidungen können falsch sein. Aber sie müssen getroffen werden. Dieses ständige Hin und Her ist nervtötend, ganz zu schweigen von der peinlichen Entäußerung persönlicher Empfindlichkeiten. Und je besser die Crewmitglieder ihre Einwände verpacken und je wertvoller die Ideen sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Entscheidung des Chefs in die gewünschte Richtung geht (außer er heißt gerade Locutus oder will Unschuldige töten – dann wirken auch moralische, außerchefliche Kriterien).

Advertisements

Written by Jazz Inaria

Februar 7, 2008 at 8:46 am

Veröffentlicht in beraten, entscheiden, meeten

Unser kleiner Dosenöffner

with one comment

Das Neukundengeschäft wird bei uns ganz groß geschrieben. Wie die meisten Agenturen haben wir ein paar Großkunden, die 80 % des Umsatzes machen. Und wenn von denen einer geht, hagelt’s Kündigungen. Um für alle Fälle gewappnet zu sein und sich nicht den Vorwurf einzuhandeln, nicht vorausschauend zu denken, hat unsere Geschäftsführung einen Berater ganz auf die Akquise abgestellt. Da sitzt Axel nun tagaus tagein, telefoniert und kassiert Körbe. Aber das tut er elegant und penetrant, und deshalb gibt oft genug ein potenzieller Kunde nach und versucht’s mit uns.

Und jetzt ratet mal, welches abstruse Hobby der Kerl hat. Nein, er stürzt sich nicht auf unschuldige Praktikantinnen. Sondern er sammelt Dosenöffner. Und ist sich des Zusammenhangs zwischen seinem Hobby und seiner Arbeit noch nicht einmal bewusst. Letzte Woche hat er uns das erste Mal davon erzählt, und gestern brachte er doch tatsächlich einige Prunktstücke zum Mittagstisch mit:

Mit dem Schweizer Messer stimmte er uns ein. Dann den Wanderfreund, der die Dosen von innen aufschneidet. Drei verschiedene Designs mit Antriebsrad. Ein elegantes Gerät mit magnetischem Deckelhalter, der bei geöffneter Dose automatisch stoppt. Insgesamt brachte er uns 12-15 verschiedene Modelle mit, einige schmeichelten dem Auge, andere waren ein Design-Albtraum. Fehlte nur noch, dass er uns eine Auswahl seiner wandhängenden (und nach seinen Angaben auch installierten) Dosenöffner mitgebracht hätte.

Er führte und seine Auswahl mit Begeisterung und fahrigen Bewegungen vor. Und er kannte sich aus, dozierte über Blechstärken, chemikalische Verbindungen, Ansätze für die Zukunft, das Dosenpfand, die Gefahren des Dosenöffnens (scharfe Kanten), und er motzte über Heringsdosen mit integriertem Aufrollmechanismus. Eine glanzvolle Mittagspausen – und das Beispiel eines Menschen, der Privat- und Berufsleben perfekt in Einklang bringt.

Written by Ulli Kiebitz

März 12, 2007 at 4:10 pm

Veröffentlicht in akquirieren, beraten, werben

Tagged with ,

Im Reich der Tränen

leave a comment »

Das Verhältnis der Kreativen zu den Beratern steht grundsätzlich auf Messers Schneide. Die Kreativen haben Ideen, viel Gehirnschmalz in wenig Zeit darein gesteckt und schon gar keine Lust darauf, unrecht zu haben. Eine Einstellung, die sie mit den Beratern teilen, die sich jedoch als Brückenkopf des Kunden verstehen und sowieso im vorauseilendem Gehorsam handeln.

Also ist ein reges Vertreten des jeweils eigenen Standpunkts programmiert. Wer als erster von der Stelle rückt, meint schon, auf verlorenem Posten zu stehen. Gute Argumente, trickreiche Ausweichmanöver und das richtige Timing drängen sich als Hauptrollen nach vorn. Und wenn das alles nichts mehr hilft, greifen Beraterinnen zum letzten Mittel:

Die Pupillen bekommen diesen ganz besonderen Glanz, die Wasser beginnen zu fließen, die Sturmflut steigt – und das Tränenmeer dringt in die Agenturräume ein. Ein starkes Argument, wer weint, vor allem auf Arbeit, hat immer Recht, wer will schon Schuld am gebrochenen Herzen sein und gegenüber den Chefs steht man sowieso also Buhmann/frau da, alles wird so getan, wie die Beraterin es sich tränenreich und nicht unter Auslassung persönlicher Vorwürfe wünscht – und wie von Zauberhand ist das Meer bald wieder trockengelegt.

Written by Ulli Kiebitz

November 11, 2006 at 3:47 pm

Veröffentlicht in argumentieren, beraten, kreieren, schöpfen, werben

Tagged with ,