Jazz Inaria

Es liegt ‚was in der Luft

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So lernte ich zu hassen

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Manchmal braucht es nur kurze Zeit, um eine andere Person ewiglich zu verabscheuen. Ohne dass diese Person sich in irgendeiner Form geäußert hätte. Gestern abend war es wieder soweit. Ein Konzertbesuch stand an. Elgar, Hindemith und Schostakowitsch. Ein schönes Gebäude, ein großer Saal, enthusiatische Musiker. So weit war alles in Ordnung. Aber vor mir saß dieser 1,82 m lange Typ – für seine Größe kann er nichts – und zuckte während des Konzerts fortwährend mit dem Kopf hin und her, um seinen linken und rechten Nachbarn etwas mitzuteilen, dann spielte er mit seinen Schnürsenkeln, raufte sich diese Haare, warf sie durch die Luft und verteilte die Schuppen in der Luft, kratzte sich am Hals, traff nicht die richtige Stelle und suchte stundenlang, rückte mit dem Arsch auf dem Sessel hin und her, pupste, röchelte und hechelte, lachte hicksend über stumme Gedanken, veränderte ca. vier Dutzend Mal seine Sitzposition, hüstelte immer ausgerechnet bei den stillen Stellen und tat alles, um meine Abneigung zu gewinnen. Mann, besuch Dein nächstes Konzert in der Rue Morgue.

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Written by Jazz Inaria

Januar 25, 2008 at 10:20 am

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Pikant gefüllt

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Gerade erreichte mich die E-Mail einer Bekannten. Zuerst erblickte ich nur den Betreff: „Kondomempfehlung“. OK, dachte ich, spamverdächtig ist sie nicht. Aber wir stehen uns auch nicht so nahe, dass ich mich mit ihr über die Vorzüge und Nachteile von Kondomen austauschen wollte. Die Lektüre der E-Mail brachte Klärung. Vor kurzem hat sich das Mädel dasselbe Handy wie ich gekauft. Da wir beide keine Laufzeitkunden von Mobil-Providern sind, sind wir uns der wahren Kosten von hochwertigen Handys noch wohl bewusst. Also wollen wir grundsätzlich auch das schützen, wofür wir viel bezahlt haben. Ich hatte mich für eine lederne Handy-Tasche entschieden, sie sich für eine Plastikumhüllung. Wie minderwertig diese Verpackung war, stellte sich erst nach dem Kauf heraus. Erstens passte sie nicht ums Handy, zweitens ging sie schon kaputt, wenn man sie leer schloss. Also wollte sie von mir erfahren, welches Produkt, welches Handykondom ich gekauft habe.

Written by Jazz Inaria

Januar 21, 2008 at 10:16 am

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Eine Stockattacke auf meinen Musikknochen

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Die liebreizende Vera hat mir Arbeit gemacht: Jetzt muss ich ein Stöckchen schnitzen. Und es gleich weiterreichen an Björn, der mir heute einen Kommentar schenkte, an Donavone, weil er schon eine ganze Sammlung hat, aber dieses anscheinend noch nicht, und an die Sympatexterin als temporäres Heilmittel gegen Frühjahrsblogmüdigkeit.

Gesucht ist ein Song …

… der Dich traurig macht:
Famous blue raincoat – Leonard Cohen

… bei dem Du weinen musst:
Fernando – Abba
(nein, nicht weil er so traurig ist)

… der Dich glücklich macht:
Don’t let me be misunderstood – Nina Simone

… bei dem Du sofort gute Laune kriegst:
Moondance – Van Morrison

… bei dem Du nicht still sitzen kannst:
Mars – John Coltrane

… der Deiner Meinung nach zu kurz ist:
Supper’s ready – Genesis

… der Dir etwas bedeutet:
Hallelujah – Jeff Buckley

… den Du ununterbrochen hören kannst:
Some kind of fool – David Sylvian

… den Du liebst:
Gothic – Ketil Bjornstadt + David Darling

… den Du besitzt, aber nicht magst:
Blue eyes – Elton John

… dessen Text auf Dich zutrifft:
Working class hero – John Lennon

… von einem Soundtrack:
A love before time (Mandarin Version) – Coco Lee (OST: Tiger & Dragon)

… den du schon live gehört hast:
Holes – Mercury Rev

… der nicht auf deutsch/englisch ist:
Spaccanapoli – ‚O Mare

… der von einer Frau gesungen wird:
O silèncio da guitarra – Mariza

… eines Solokünstlers:
I remember – Damien Rice

… Deiner Lieblingsband:
G-Spot Tornado – Frank Zappa

… aus Deiner frühesten Kindheit:
Be – Neil Diamond

… mit dem Du Dich identifizierst:
Das Lied von der Erde – Gustav Mahler

… den Du Deinem Schwarm vorsingen würdest:
Never tear us apart – INXS

… zum Küssen:
Roxanne – (aber die Version aus dem Film Moulin Rouge)

… zum Kuscheln:
Strange fruits – Billie Holiday

… der Dich an Deinen letzten Liebeskummer erinnert:
You don’t know what love is – Cassandra Wilson

… der von Sex handelt:
Love me tender – Elvis Presley

… der Dich an einen Urlaub erinnert:
Wild dances – Ruslana

… der Dir peinlich ist, dass Du ihn gut findest:
Beinhart – Torfrock

… den Du gerne beim Aufstehen hörst:
Stabat Mater – Pergolesi

… zum Einschlafen:
The swan – Thom Yorke

… den Du gerne beim Autofahren hörst:
We came through – Scott Walker

… der Dir schon mal in einer Situation geholfen hat:
Once upon a time in the West – Ennio Morricone

… dessen Video Du als letztes im Fernsehen gesehen und überraschend gut gefunden hast:
Weapon of Choice – Fatboy slim

… den Du immer wieder hören musst:
Mysterons – Portishead

… der Dich nervt:
Über den Wolken – Reinhard Mey

… der dich rasend macht:
Verdampt lang her – Bap

… den Du von einer/m Freund/in lieben gelernt hast:
Jigsaw – Mike Stern

… den du magst, aber die Band nicht:
Two princes – Spin Doctors

… den du gerade hörst:
My clown’s on fire – The Lounge Lizards

… einer Band, die es nicht mehr gibt:
People are strange – The Doors

So. Wer jetzt so weit gekommen ist, sollte dringend an seinen CD-Schrank gehen und seine alten Schätzchen ausgraben. Auf dass sie viel Gehör finden.

Written by Ulli Kiebitz

April 16, 2007 at 8:33 pm

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Der Kunde auf dem Agenturklo

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Saubere Scheiben, frische Blumen, poliertes Metall, elegante Empfangsdame – natürlich tut meine Werbeagentur alles, damit sich unsere Kunden von Anfang an wohlfühlen. Ein schnieker Konferenzraum, volle Röhre Medienausstattung, Schnabelwässerndes und verbale Kotaus. Ja, denkt sich der gemeine Kunde da. Ist ja alles ganz toll hier. So wie die uns hier behandeln. Und dann all diese freundlichen Menschen, die vor der Glastür des Konfis vorbeischreiten. Oh, der Tee drückt meine Blase. Da frag ich doch gleich mal … ah hier … Hey, ich mache das Licht an und Musik ertönt. Hübsche Idee. Und alles so schön sauber hier. Ich glaube, ich werde mit dieser Agentur noch lange zusammenarbeiten.

KUNDE! Wenn Du wirklich wissen willst, welch geistig Kind eine Agentur ist, lasse Dich nicht mit dem abspeisen, was Dir vorgesetzt wird. Gehe zu Beratern in die Büros, wirf einen Blick auf das Arbeitsumfeld der Kreativen. Und das Wichtigste: Geh nicht auf die Kundentoilette, sondern auf das Mitarbeiterklo. Sieh Dich um. Alles sauber? Seife eingefüllt? Die Extra-Rolle Toilettenpapier? Und der Weg führte nicht an stinkenden Druckern vorbei? Dann ist ja gut. Ansonsten: Kündige die Zusammenarbeit. So wie die Agentur ihre Mitarbeiter behandelt, so denkt sie auch von ihren Kunden.

Written by Ulli Kiebitz

Februar 26, 2007 at 8:12 am

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Mein erstes Mal – mit Stöckchen

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Vera hat ein Stöckchen in meine Richtung geschmissen. Da kann ich nicht zurückstehen und durchpflüge auf zufälligen Wegen meine musikalische Minimal-Auswahl auf dem Notebook. Die kompletten Spielregeln für das Stöckchen gibt’s hier.

Also dann – Schleusen auf!

Vorspann: A perfect circle – Rose
Jedenfalls ein Beginn mit Paukenschlag.

Aufwachen: Mahalia Jackson – Joy to the world
Das bringt mich auf eine Idee. Ich sollte meinen Wecker umprogrammieren.

Erster Schultag: Damills – Under my thumb
Ob das Comenius und Pestalozzi gerne hören? Ich spüre schon die Soundschwingungen von The Wall. Die Swing-Version des Stones-Klassikers schwächt die Botschaft nur ungenügend ab.

Verlieben: Ben Harper – Satisfied Mind
Auf dem Punkt. Jedenfalls was den Titel betrifft. Vielleicht sollte ich mich noch einmal in die Lyrics reinhören.

Das erste Mal: Peter Gabriel – Shock the monkey
Schmerzhafte Sache, das. Und ein direkter Verweis auf die Bäume, von denen wir kommen. Aus einer Zeit, als Tierexperimente noch en vogue waren. „Kind, was willste werden?“ – „Kosmetik-Erfinder.“

Kampflied: When I find my life – Marianne Faithful
Über diesen Zufall muss ich erst noch nachdenken.

Schluss machen: Pink Floyd – Young lust
In jedem Ende steckt ein neuer Start.

Abschlussball: Okean El’zy – Без бою
Schulterzucken. Passt das? Passt das nicht? Meine Ukrainisch-Kenntnisse werden es mir weisen. In diesem Zusammenhang möchte ich betonen, dass aus diesem Land weitaus bessere Musik kommt, als uns Ruslana beim European Song Contest vorgetanzt hat. Für weitere Hinweise stehe ich gerne zur Verfügung. Für Übersetzungen nicht.

Leben: Van Morrison – Good Morning Little Schoolgirl

Nervenzusammenbruch: Air – Kelly watch the Stars
Das wirkt. Danach verschwimmt der Zusammenbruch.

Auto fahren: Tori Amos – Silent all these years
OK. Wenn ich dazu Auto fahre, kracht’s garantiert. Aber schönes Lied für besinnliche Stunden.

Flashback: Pearl Jam – Immortality
Man steigt niemals in den selben Fluss, sprach Heraklit. Aber nass bleibt’s allemal.

Wieder zusammen kommen: Drink it in – Heather Nova
„I’m looking at you.“ – Auch, wenn man sich im höheren Auftrag dann doch wieder trennen muss.

Geburt des ersten Kindes: The Smiths – Sweet and tender Hooligan
Prima Aussichten.

Endkampf: Podcast – Productive Talk Comp.: Episodes 01-08 (enhanced AAC) von David Allan and Merlin Mann
Gröhlen ist erlaubt. Auch der Endkampf will ordentlich geplant sein – am besten mit Getting Things Done von David Allen. Wer will denn schon so ein Durcheinander, wie bei der HdR-Endschlacht? Jetzt ist dieser Podcast nicht mehr Teil meiner zufälligen Spielreihenfolge.

Todeszene: Caravan – Van Morrison

Beerdigungslied: Working class hero – Marianne Faithful
Ein Blick in unsere Zukunft.

Abspann: Depeche Mode – Waiting for the night
Eine gute Frage: Gibt es im Paradies eigentlich Tag und Nacht? Und wovon träumt man im Paradies? Woran glaubt man? Wir haben genug Zeit, darüber nachzudenken, während wir auf die Nacht warten.

Ach ja. Das Stöckchen werfe ich weiter zu Werbewunderland und Formsache – zur willkommenen Ablenkung vom Tagesgeschäft.

Written by Ulli Kiebitz

Februar 13, 2007 at 12:56 pm

Veröffentlicht in hören, musizieren

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»Hören Sie mal!«

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Ich liebe Funkspots. Nur auf einen menschlichen Sinn zu zielen und damit Impulse auszulösen, hat schon etwas hochgradig Herausforderndes.
Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich selbst ein auditiver Mensch bin. Gehörtes bleibt mir wesentlich besser im Gedächtnis als Gesehenes. Zudem hat es seinen speziellen Reiz, innerhalb einer sehr knapp bemessenen zeitlichen Grenze, eine Story mit merkfähigem und merkwürdigem Charakter zu entwickeln und im Idealfall Figuren zu etablieren, die ihr ganz eigenes Leben in den Lautsprechern führen. Kurz und gut, Funkspots sind meine große kleine Leidenschaft, meine Oase in der Alltagswüste, der Toberaum des großen Jungen, das Zitronencreme-Bällchen auf dem Kosakenzipfel.
Darüber hinaus gehören Funkspots zu den effektivsten Werbeformen und sind im Vergleich unschlagbar günstig; vor allem vor dem Hintergrund diverser Kooperationsformen, die heutzutage von Radiosendern angeboten werden. Dennoch fristet der Kurzfilm des Kopfkinos ein Schattendasein im Garten des Werbeformen Repertoires. Umso mehr freut es mich, wenn sich einer unserer Lieblingskunden dazu durchringen kann, mit uns den Weg in ein Tonstudio zu beschreiten und einen Funkspot produzieren lassen will.

Da jubelt die Schreiberseele. Doch im gleichen Augenblick wird ihr der Knebel tief in den Rachen gedrückt; das Ideal wird von vornherein beschnitten. Der Lieblingskunde denkt an einen 20-Sekünder. Na gut, das Gelbe vom Ei wären schon eher die 30’’, aber auch mit zehn Sekunden weniger, lässt sich noch viel machen. Hingegen macht die Mater, die vom Kunden als Messlatte vorgegeben wird, Mut und Lust auf mehr. Als Benchmark nennt er einen Imagespot für einen Regenschirmhersteller, dessen Name an einen kleinen Jungen erinnert. Zu hören sind zunächst die ersten Takte von Gene Kellys „Singing in the rain“. Dann beginnt Mr. Kelly zu singen »I’m singing in the …« KLICK – das leise und typische Geräusch dieses sich auf Knopfdruck aufspannenden Regenschirms lässt den Titel und Mr. Kelly verstummen. Der Off-Sprecher sagt dann nur noch den Namen des Herstellers. MEHR NICHT. Das ist mein Spot. Simpel, schnell, auf den Punkt, mit wenig Erklärungsgelaber. Dass dieser Spot augenscheinlich für den Wettbewerb geschrieben wurde, bei dem er natürlich auch punktete, und danach nie wieder im Werbeblock eines Senders gelaufen ist, thematisieren wir jetzt lieber nicht. Seien wir einfach froh über den seltenen Umstand, dass der Lieblingskunde etwas Feines haben möchte und machen uns ans Werk.
Vier Tage und acht Spotideen später, sehen wir uns in kleiner Runde wieder.

»Vielleicht lese ich ihn einfach noch mal vor!«, versuche ich den Lieblingsspot der Agentur zu retten, der auf der anderen Seite aber auch so überhaupt gar nicht ankommt und verstanden wird. Da dies jedoch auf Ablehnung stößt, wir alle gute Dienstleister sind und der Kunde ohnehin die Alternativen bevorzugt, verschwindet eine weitere schöne Idee in den Weiten der Ablage „P“. Doch kein Grund zur Traurigkeit. Schließlich mochte der Lieblingskunde ja die Alternative. Das ist doch was. Wir machen den Funkspot. Juchhu. Allerdings, so das Gegenüber mit dem Gesicht, das danach aussieht, als habe es noch niemals gelacht, gäbe es da noch einige Ergänzungen zu berücksichtigen. Unbedingt müsse die Firmenadresse genannt werden. Und das Ganze wäre doch die Chance, die Öffnungszeiten des Werksverkaufs zu kommunizieren. Es hätte ihn auch gewundert, dass die Wörter „Genuss“ und „Tradition“ nicht vorkommen würden – schließlich wüssten wir um diese Kernbegriffe des Unternehmens. Die müssten also unbedingt noch rein.
Wann genau, kann ich nicht mehr sagen; aber es gab einen Moment, zu dem ich mich aus diesem Gespräch ausgeblendet habe. Ich kehrte erst wieder in meinen Körper zurück, als das Sprachrohr des Lieblingskunden meinte, auf den Einsatz eines professionellen Sprechers könne man verzichten. Frau Dingens aus der Buchhaltung habe eine glockenhelle Stimme. Wie geschaffen fürs Radio. Und so würde man ja auch Geld sparen.
Obwohl ich die Antwort bereits kannte, stellte ich dennoch die Frage, ob die zeitliche Vorgabe von 20’’ sich denn auch nach oben verändern würde? Natürlich nicht, wie konnte ich nur …
Nachdem es tatsächlich gelungen war, alle gewünschten Informationen innerhalb des Zeitrasters unterzubringen, fand die „Produktion“ des 20-Sekünders – Spot kann und will ich ihn nicht nennen – im Heimstudio eines Wochenend-DJs statt. Der Ehemann der Buchhalterin Frau Dingens hatte diesen Kontakt vermittelt. Auf die Anwesenheit eines Agenturmitarbeiters während der Aufnahmen wurde, unter dem Hinweis auf das Kostenargument, gänzlich verzichtet.
Naja, so kann es gehen. Abhaken und weitermachen. Schließlich hat der andere Lieblingskunde gestern seine Absicht bekundet, einen völlig abgedrehten, aufmerksamkeitsstarken und lustigen Funkspot machen zu wollen.
Hm, ich liebe Funkspots.

Written by Kai Mauer

Dezember 21, 2006 at 11:06 am

Veröffentlicht in hören, kreieren, wünschen, werben

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